Ein Herbsttag
Um 8.30 Uhr treffen wir uns an der Hütte. Wir, daß sind zwei Erzieherinnen und 20 abenteuerlustige Kinder, packen den Bollerwagen mit Werkzeug, Schnitzmesser und diversem Material zum malen, basteln und werkeln. Der Morgenkreis wird heute an den Waldrand verlegt, da die Herbstsonne uns dort noch so schön wärmt. Wir bilden einen Kreis um einen Apfelbaum, von dem aus uns rotbackige Äpfel anlachen. Jetzt begrüßen wir uns erst einmal und stellen fest, wer da ist und wer fehlt. Um die Kinder auf den Tag einzustimmen, singen wir das Erntelied 'Ich hole mir eine Leiter'. Da fällt Josephine ein Fingerspiel zum gleichen Thema ein und zeigt es den anderen Kindern Hier steht ein großer Apfelbaum, da kommt der Zottelzaum der möchte alle Äpfel klauen er hüpft von Ast zu Ast und hat sie alle angefasst: Der erste der schmeckt sauer - brrrrrrrrrrrr der zweite der ist faulig - bähhhhhhh der dritte hat einen Wurm - igittigittigittigitt der vierte hat eine Wespe - bssssssssssss der fünfte Apfel aber der ist klein und schmeckt fein - hmmmmmmmmmm Danach geht's los. Am Feldrand entlang kommen wir bald an eine abgemähte Obstbaumwiese. Die Kinder finden immer wieder Äpfel in der nassen Wiese, die ganz lecker glänzen, jedoch auf der anderen Seite angefressen oder faulig sind. Wir schneiden einen wurmigen Apfel durch und schauen uns mal den Wurm genau an. Auch Apfelkerne heben wir auf. "Die stecke ich daheim in den Topf, und dann habe ich bald einen Apfelbaum im Zimmer" meint Lorenz begeistert. "Und wer hat den Apfel angeknabbert?" fragt Miriam und blickt erwartungsvoll in die Runde. "Die Mäuse", rufen die Kinder, " Schnecken und ein Igel." Neben der Wiese ist ein Feld - frisch umgepflügt. Die tiefen Ackerfurchen laden zum balancieren ein. Es ist nicht einfach über den Acker zu laufen, aber auch die Kleinsten wollen es versuchen und stapfen mutig hinter den Großen her, die flink hinüberrennen. Dann kreuzen wir einen Radweg. Auf der anderen Seite ist eine schöne Herbstwiese, die heute unser Spielplatz ist. Sofort wird die Wiese von den Kindern erkundet - jedes Kind auf seine Art. Die einen wild herumtobend, die anderen ruhig die Nähe erkundend. So bilden sich Kleingruppen, in denen die Kinder einige Zeit im Freispiel verbringen. Wir beschließen auch zum Vesper auf dieser Wiese zu bleiben. Mit dem handwarmen Wasser aus unserem Kanister waschen wir uns die Hände und jeder holt seine Isomatte und sein Vesper aus dem Rucksack heraus. Im Kreis sitzend nehmen wir uns an die Hand und wünschen uns einen guten Appetit mit dem Vesperspruch: "Ich wünsch dir einen schönen Tag, und dass dich heute jeder mag, dass du gut ausgeschlafen bist und dass dir schmeckt, was du heut' isst und dass der Tag dir bis zur Nacht viel Freude macht.
Guten Appetit." Das Vesper ist immer eine gemütliche Runde und oft berichten die Kinder von ihren Erlebnissen. Nach dem Essen packen wir die Fingerfarben und den Tonkarton aus. Heute malen die Kinder mit den Fingerspitzen einen Apfel auf den Tonkarton. Zuerst etwas zögerlich, mit nur einem Finger, später mit wahrer Freude an der Farbe, wird der Farbmatsch, der inzwischen entstanden ist, in den Karton eingerieben. Währenddessen stellen Lennart und Lea erstaunt fest, dass es grüne, gelbe, rote und braune Äpfel gibt. Als der Vormittag sich dem Ende neigt, trennen sich die Kinder nur schweren Herzens von der Farbe, lassen aber noch gerne ihre fertigen Bilder in einer Ausstellung von allen bewundern. Dann müssen wir auch schon den Rückweg antreten. Alle Kinder schnappen ihre Rucksäcke und zwei Kinder ziehen den Bollerwagen. Über sonnige Wiesen und Äcker kommen wir wieder zur Hütte zurück. Dort sammeln wir uns zum Schlusskreis. "Alles hat ein Ende, reicht zum Abschied euch die Hände, wenn wir auseinander gehen, sagen wir auf Wiedersehen." Die Kinder gehen glücklich, müde und mit neuen Erfahrungen nach Hause. Im Wald kehrt wieder Ruhe ein. Vogelgezwitscher, ein Rascheln im Gebüsch ... ... bis zum nächsten Morgen, der ebenso unter dem Motto steht 'Die Welt steckt voller Abenteuer, die es neu zu entdecken gilt'.
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